Konzeption für die Evangelische Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Marburg (ejm)

(März 2017)

Inhalt:

Einleitung

I. Organisationsstruktur

II. Arbeitsfelder

    1. Mitarbeitergewinnung, -schulung, -begleitung, -beratung

    2. Freizeiten, Ferienbetreuung, Kinderbibelwochen, Events

    3. Jugendgottesdienste (Entwicklungsaufgabe)

    4. Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit

    5. Beratung und Vernetzung der Kirchengemeinden

    6. Aufbauarbeit (Kinder- und Jugendarbeit in Regionalräumen)

    7. Offene Arbeit in der Stadt
      7a. Musik, Theater, Kunst, Jugendkultur
      7b. Haus der offenen Tür / Jugendcafé
      7c. Aufsuchende, mobile „ejm“ (Entwicklungsaufgabe)

    8. Schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit

    9. Verwaltung

III. Gebäudebedarf

Einleitung

Die vorliegende Konzeption ist die Zusammenführung und Weiterentwicklung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit von ehemals Marburg-Stadt und Marburg-Land und ist die Arbeitsgrundlage aller Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit des Kirchenkreises Marburg.

Diese Konzeption wurde im Jahr 2016 gemeinsam von hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden erarbeitet. Grundlage dafür waren zwei Zukunftswerkstätten für die Belange von jeweils Stadt und Land, eine anschließende Weiterarbeit in zwei Steuerungsgruppen und der abschließenden Bearbeitung im synodalen Jugendausschuss des Kirchenkreises Marburg.

Wie im Leitbild der „ejm“ beschrieben ist, findet Evangelische Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Marburg ihre Grundlage im Geiste und in der Nachfolge Jesu Christi. Sie ist biblisch begründet, von Christus herkommend und auf ihn bezogene Arbeit. Sie verdeutlicht dies, indem sie in ihren Zielen und Methoden die Menschenfreundlichkeit Gottes abbildet. Damit ist sie unmittelbarer Ausdruck kirchlichen Handelns. Sie hat das übergeordnete Ziel, Kinder und Jugendliche in Berührung mit Jesus Christus zu bringen und zusammen mit ihnen angemessene Formen gelebten Glaubens zu finden.

Dies wahrzunehmen ist Aufgabe jeder Kirchengemeinde.

Die erforderliche Beratung, Förderung und Unterstützung dazu wird den Kirchengemeinden durch die Jugendreferent*innen des Evangelischen Kirchenkreises Marburg bereitgestellt und durch die begleitenden Gremien auf regionaler und kirchenkreislicher Ebene ergänzt. Sie wirken daran besonders an den Schnittstellen des Übergangs von der Kindheit zum Jugendalter und zum Erwachsen werden mit, insbesondere mit dem Schwerpunkt der Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit. Dazu gehört zuvorderst die Förderung Jugendlicher zur Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme. Sie ermöglicht Erfahrungsräume für Handlungskompetenz, Verantwortlichkeit und Selbstwirksamkeit, für die Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft sowie für verschiedene Glaubens- und Lebensformen. Die Bandbreite der Arbeit und die unterschiedlichen Akzentuierungen tragen der Vielfalt der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen Rechnung. Ziel ist, Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Milieus zu erreichen.

Aufgrund dieses Konzeptes wird die Kinder- und Jugendarbeit in den Kirchengemeinden gestärkt. Besonders die Nutzung der Ressourcen und Möglichkeiten, die die offene Jugendarbeit bietet, die Einrichtung von regionalen Zuständigkeiten und die sich daraus ergebenden Kommunikationswege sowie die Stärkung der Vernetzungen nach Außen und innerhalb der „ejm“ sind wichtige Faktoren dafür.

Das Konzept wird jährlich in Verbindung mit den Jahresplanungen der „ejm“ überprüft und gegebenenfalls angepasst oder überarbeitet, um so innovative und jugendgemäße Formen christlicher Kinder- und Jugendarbeit weiter zu entwickeln. Grundlage dieser Überprüfungen sollen u.a. Beteiligungsformen und Umfragen von und mit Jugendlichen sein.

I. Organisationsstruktur

Um die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen, die ermittelten Bedarfe zu beachten und der derzeitigen Personalsituation gerecht zu werden, wird eine regionale Organisationsstruktur gewählt.
Das heißt, es werden unter Berücksichtigung der entstehenden Kooperationsräume Regionalkonferenzen gebildet. Ziel ist es dabei, die Arbeit der Kirchengemeinden mit der Ev. Kinder- und Jugendarbeit Marburg gut zu vernetzten und in der Arbeit jeweils aufeinander zu beziehen. Damit wird der Kontakt zwischen Jugendreferent*innen und Kirchengemeinden gestärkt und eine direkte Begleitung der Ehrenamtlichen ist dadurch gegeben. Zu den Aufgaben im Arbeitsbereich der regionalen Arbeit gehören:

  • Jahresplanung für die Region

  • Unterstützung bei regionalen Projekten

  • Beratung und Unterstützung von Gemeinden in der Gestaltung ihrer Kinder- und Jugendarbeit (z.B. in der Aufbauarbeit von Gruppen und Kreisen).

Die Tätigkeit der Jugendreferent*innen verteilt sich demnach auf:

– regionale Zuständigkeit (jede Region hat eine*n Ansprechpartner*in, diese*r hält ein Zeitkontingent von 2/3 der Stelle für die regionale Arbeit vor (in der Stadt Marburg inklusive der offenen Arbeit))

– überregionale Vernetzung der Arbeit in Projekten (1/3 der Arbeitszeit fließt in unterschiedliche Tätigkeiten und Aktivitäten auf Kirchenkreis-Ebene)

Entscheidungen über Bedingungen und Veränderungen in der „ejm“ werden von den Jugendreferent*innen in Zusammenarbeit mit betroffenen Personen und Gremien getroffen

Entscheidungsbeteiligte sind:

  • für die Gesamtkonzeption, die Synode des Kirchenkreises Marburg (beratend der Jugendausschuss des Kirchenkreises)

  • für die überregionalen, kirchenkreisbezogenen Angebote und funktionalen Bedingungen im Kirchenkreis, der Jugendausschuss des Kirchenkreises

  • für die Gestaltung der regional bezogenen Arbeit, die Regionalkonferenzen (bestehend aus den Pfarrer*innen und den in der Kinder- und Jugendarbeit tätigen Ehrenamtlichen einer Region)

Grundsätzlich arbeiten die Jugendreferent*innen der „ejm“ in einem eng vernetzten Team zusammen. Sie entwickeln sowohl das Konzept gemeinsam weiter, ermöglichen kompetenzbezogene Schwerpunktsetzungen der einzelnen Mitarbeitenden und erstellen und verantworten gemeinsam das jeweilige Jahresprogramm für den Kirchenkreis.

II. Arbeitsfelder

1. Mitarbeitergewinnung, -schulung, -begleitung, -beratung

Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit lebt von ihren ehrenamtlich Mitarbeitenden. Sie sind die tragende Kraft. Sie zu gewinnen, kompetent zu begleiten und zu beraten ist eine zentrale Aufgabe der Jugendreferent*innen. Für die Gewinnung und Qualifizierung von Jugendlichen als ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in der pädagogischen und theologischen Arbeit in Projekten, Aktivitäten, Gruppen und Kreisen werden differenzierte Bildungsmaßnahmen angeboten. Diese Mitarbeit ist eine wichtige Möglichkeit Verantwortung zu übernehmen und verantwortliches Handeln einzuüben. Gleichwohl bietet es ihnen einen Raum, durch Ausprobieren und Entwickeln ihrer individuellen Fähigkeiten ihre Persönlichkeit zu entfalten und zu festigen. Sie erleben die intensive Erfahrung des gemeinsamen Erarbeitens in einer Gruppe, entwickeln dabei soziale Kompetenzen im Umgang miteinander sowie mit den Kindern bzw. Konfirmand*innen und werden herausgefordert ihren eigenen Glauben bzw. ihre Glaubensfragen zu artikulieren.

Zielgruppe: – Jugendliche nach der Konfirmation (ohne Altersbegrenzung)

Ziele: – Aufbau und Pflege eines Mitarbeiterkreises

– Unterstützung, Begleitung und Schulung von Ehrenamtlichen

– Stärkung von Handlungs- und Sozialkompetenzen
regelmäßiger Kontakt zu den Kirchengemeinden

Handlungsformen:

– „start up“- Schulung (ab 14 Jahre)

– „JuLeiCa“ als Grundkurs bzw. als Erweiterung des „start up“ Moduls (ab 16 Jahre)

– Fortbildung mit vertiefenden Angeboten „upgrade“

– kontinuierliche Begleitung in einem „Mitarbeiterkreis“

– Besuche in Vorbereitungsgruppen zur Planung der Kreise und Gruppen
Mentoringangebot (Entwicklungsperspektive)

2. Freizeiten, Ferienbetreuung, Kinderbibelwochen, Events

Kinder und Jugendliche halten sich die meiste Zeit im Jahr am Lernort Schule auf. Während des Schuljahres steht ihnen wenig freie Zeit zur Verfügung. Dies sind schwierige Bedingungen für regelmäßige Gruppen und Kreise. Attraktive Ferien- und Wochenendangebote werden immer wichtiger. Dazu gehören vor allem mehrtägige Freizeiten, Ferien-, und Wochenendangebote sowie besondere Highlights und Events, die die Erfahrung von intensiver Gemeinschaft und Zugehörigkeit bieten. Solche Gruppenerfahrungen auf Zeit sind für die Persönlichkeits- und Glaubensentwicklung von Kindern und Jugendlichen besonders wertvoll und haben die wichtige Funktion, Angebote sowie Tätigkeiten und Möglichkeiten der Mitgestaltung in kirchlichen Strukturen kennenzulernen.

Besonders Maßnahmen, in denen Jugendliche als ehrenamtlich Mitarbeitende mitgestalten und mitwirken können, eröffnen Räume, sich in der Evangelischen Kirche beheimaten zu können (s. Konfi@Aktionen)

Die zentrale Organisation dieser Maßnahmen liegt vorwiegend bei den Jugend-referent*innen im Kirchenkreis. Die eigentliche Gestaltung, das Programm dafür wird vorwiegend mit handlungs- ,und erlebnisorientierten Elementen, unter Mitwirkung Ehrenamtlicher entwickelt und verantwortet.

Kinderbibeltage oder mehrtägige Kinderbibelwochen bieten darüber hinaus gute Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation für einzelne Regionen.

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene (Angebote aufeinander abgestimmt) Ziele: intensive Erfahrung in der Gruppe

– soziales Lernen

– Auseinandersetzung mit Lebens-, Sinn-, und Gesellschaftsthemen

– Interesse für den Glauben wecken bzw. ihn vertiefen

– Glauben miteinander leben und feiern

– Verantwortung übernehmen und verantwortliches Handeln einüben

Handlungsformen:

– Ferienfreizeiten und Jugendreisen für verschiedene Zielgruppen
(Frischkonfirmierte, ältere Jugendliche, Kinder…)
und verschiedene Schwerpunkte (z.B. niedrigschwellig, thematisch, Wintersport)

– Ferienaktivitäten und -betreuung für verschiedene Altersgruppen
– Bildungs- und Erlebnisaktivitäten an Wochenenden und Feiertagen
– Kinderbibeltage / -wochen
– Kreisjungschartag

3. Jugendgottesdienste (Entwicklungsaufgabe)

Jugendliche verfügen über eine hohe Sensibilität und Kompetenz für spirituelle und religiöse Fragen. Sie brauchen Orte der Begegnung mit Gott in der Gemeinschaft mit anderen. Ihre eigenen Bedürfnisse und Fragen und ihre eigenen Vorstellungen in Bezug auf Musik, Zeit, Form und Atmosphäre stehen dabei im Mittelpunkt. Bei der Gottesdienstgestaltung ist ein hoher Beteiligungsgrad von Jugendlichen, ihre Selbstbestimmung und eine fundierte theologische Verkündigung grundlegend. Solche Jugendgottesdienste sollen beweglich und veränderbar sein, sie sollen Kontakt mit unterschiedlichen Kirchengemeinden, Milieus, Jugendarbeitsformen, gesellschaftlichen Gruppen, Schulen und Vereinen ermöglichen.

Zielgruppe: Jugendliche und junge Menschen, beginnend mit der Konfirmandenzeit

Ziele: Ein Jugendgottesdienstformat entwickeln,

– das von und mit Jugendlichen vorbereitet und durchgeführt wird

– das wiedererkennbar ist

– das in verschiedenen Kirchengemeinden des Kirchenkreises durchgeführt wird

– das unterschiedliche aktuelle Themen behandelt und sie jugendgemäß umsetzt

– das von einer Jugendgottesdienstband musikalisch begleitet wird

Handlungsformen:

(sind in Absprache mit Jugendlichen und Regionalkonferenzen zielgruppenorientiert zu entwickeln)

4. Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit

In der ev. Kinder- und Jugendarbeit sind die Arbeit mit Kindern und die Jugendarbeit traditionell eng verknüpft. In den letzten Jahren wurden jedoch zunehmend Möglichkeiten entwickelt, die Konfirmandenarbeit und die Jugendarbeit aufeinander zu beziehen.

In der Konfirmandenzeit wird regelmäßig fast ein ganzer Jahrgang Jugendlicher mit einer sehr großen Milieubreite erreicht. Damit die Jugendarbeit an die meist positive Resonanz der Jugendlichen während ihrer Konfirmandenzeit anknüpfen kann, muss es zu einer Begegnung beider Arbeitsfelder kommen. Denn die Einstellung zu Glauben, Sinn und ethischer Orientierung sind mit der Konfirmation nicht abgeschlossen, sondern werden bis zum 18. Lebensjahr weiter grundlegend geprägt. Darum ist es sinnvoll, im Sinne eines „taufenden“ bzw „konfirmierenden Handelns“ über einen längeren Zeitraum, von der Taufe über die Konfirmation bis in die Jugendarbeit, die Arbeitsfelder konzeptionell aufeinander zu beziehen.

Mit dem Marburger Konfi@Castle haben viele Kirchengemeinden des Kirchenkreises zusammen mit der Ev. Kinder- und Jugendarbeit Marburg ein gelungenes Modell der Verknüpfung in die Praxis umgesetzt. Ergänzt wurde es durch weitere Konfirmanden-projekte auf Kirchenkreisebene, Konfi@Garden und Konfi@Church. Wichtige Entwicklungsaufgaben daraus sehen wir im Aufbau von Jugendgottesdiensten schon während der Konfirmandenzeit, regionalen Konfi@Cafe´s und/oder offenen Konfi- und Jugendtreffs.

An diesen Orten findet, ebenso wie in den größeren Aktionen und Projekten, der Kontakt mit Personen aus der Jugendarbeit (ehrenamtliche Teamer*innen, Jugendreferent*innen Pfarrer*innen) statt. Eine personelle Kontinuität erleichtert in der Regel die Übergänge in weitere Angebote und Gruppen nach der Konfirmation. Sie bildet eine Brücke, damit Jugendliche nach ihrer Konfirmation Angebote der Jugendarbeit wahrnehmen und ihnen weitere Glaubens- und Lebensräume in der Kirche eröffnet werden.

Ev. Jugendarbeit bleibt schwerpunktmäßig die Arbeit von und mit Jugendlichen, die konfirmiert sind. Die primäre Aufgabe der Jugendreferent*innen liegt dabei in der Förderung und Schulung von ehrenamtlichen Jugendlichen, die in der Unterstützung der Konfirmandenarbeit oder bei den Angeboten für Kinder und/oder Jugendliche der Kirchengemeinden, der Region oder im Kirchenkreis tätig sind oder sein wollen. Grundlage hierfür ist die Erfahrung, dass es für Jugendliche eine hohe Attraktivität hat, als Teamer*in in der Konfirmandenarbeit oder bei Konfirmanden-Events (Konfi@…) mitwirken zu können, sie mitzugestalten, eine Vorbildrolle für Jüngere zu übernehmen und sich dabei als wichtigen Teil von „etwas Größerem“ zu fühlen. In der Zusammenarbeit mit diesen engagierten und Verantwortung übernehmenden Jugendlichen, die noch dicht dran sind an der Lebenswelt und dem Lebensgefühl der Konfirmand*innen, die ihre frischen Erfahrungen aus der eigenen unlängst erlebten Konfirmandenzeit mitbringen, behält die Jugendarbeit ihren innovativen und experimentellen Charakter und trägt so den schnell wechselnden Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen Rechnung.

Zielgruppe: Konfirmand*innengruppen der Gemeinden im Kirchenkreis und Jugendliche nach der Konfirmation

Ziele: Kontakte der Jugendlichen untereinander und zur Jugendarbeit stärken

– Angebote der Jugendarbeit bekannt machen

– Ehrenamtliche sammeln in einem großen Team Erfahrungen mit Planung und Durchführung von „Events“

– Jugendliche bilden eine eigene Identität der „Evangelischen Jugend Marburg (ejm)“

Handlungsformen:

Konfi@garden (Begrüßungsfest)

Konfi@castle (Freizeit)

Konfi@church (Lutherfest)

5. Beratung und Vernetzung der Kirchengemeinden

Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit findet im Kirchenkreis, in Stadt und Land, in vielfältiger Weise in den einzelnen Gemeinden statt. Die Jugendreferent*innen haben die Aufgabe, diese Angebote zu unterstützen und zu fördern, sie vor allem aber zu vernetzen und den Austausch zu fördern. Um den Kontakt zwischen Jugendreferent*innen und Gemeinden zu stärken und innovative lokale Projekte und Aktionen zu fördern, gibt es in einem überschaubaren regionalen Rahmen eine Zuständigkeit. Der/die zuständige Jugendreferent*in ist Kooperations- und Ansprechpartner*in für diese Region. Sie/Er knüpft dazu Kontakte zu allen in dieser Region Mitwirkenden (Haupt-, Neben-, und Ehrenamtlichen) und ermöglicht die Nutzung regionaler und überregionaler Netzwerke.
Zu diesen Netzwerken gehören insbesondere auch Kontakte zu den regionalen Ausbildungsstellen und Studierenden für theologische und pädagogische Berufe. Sie ermöglichen Praxiserfahrungen für die Auszubildenden und gegenseitig Reflexionsmöglichkeiten für neue Entwicklungen.

Zielgruppe: Kirchengemeinden

Ziele: Vernetzen der Gemeinden in sinnfälligen Regionalräumen, die nicht in Konkurrenz mit den (zu entwickelnden) Kooperationsräumen stehen

– Vernetzen der Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen

– Vernetzen von Stadt und Land

– Vernetzen von Konfirmand*innen- und Jugendarbeit
– Vernetzung mit theologischen und pädagogischen Ausbildungsstätten

Handlungsformen:

– regionaler Mitarbeiter*innenkreis

– regelmäßige Besuche der Jugendreferent*innen in den Gemeinden ihrer Region

– fachliche Beratung und Begleitung von Kirchenvorständen und Gruppenleiter*innen

– Begleitung und Unterstützung von regionalen Projekten (z.B. Kinderbibelwoche, Jugendgottesdienst…)

– punktuelle Unterstützung von Gemeinden im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Vermittlung und Beratung beim Einsatz von Studierenden der Ausbildungsstätten

6. Aufbauarbeit (Kinder- und Jugendarbeit in Regionalräumen)

In Kirchengemeinden, in denen keine Kinder- und Jugendangebote bestehen und die einen Entwicklungsbedarf anmelden, kann über einen begrenzten Zeitraum eine Begleitung durch eine*n Jugendreferent*in stattfinden. In seiner/ihrer Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand, der/dem Pfarrer*in vor Ort und unterstützt von mindestens zwei Ehrenamtlichen wird Kinder- und/oder Jugendarbeit wieder etabliert. Zielsetzung dieser Zusammenarbeit ist, weitere Ehrenamtliche zu gewinnen, zu schulen und zu stärken, damit sie diese Arbeit eigenständig weiterführen können. Dem/der Jugendreferent*in obliegt dann die Aufgabe der Unterstützung und Beratung (siehe Punkt 1).

Zielgruppe: Kirchengemeinden, die ihre Kinder- und Jugendarbeit aufbauen wollen

Ziele: Unterstützung von Kirchengemeinden beim Aufbau von Kinder- und/oder Jugendarbeit (Vertrag über Dauer, Intensität, Aufgaben der Begleitung schließen!)

Handlungsformen:

– Jungschar-, Teeniekreis, Jugendgruppe

7. Offene Arbeit in der Stadt

Mit der „offenen“ Kinder- und Jugendarbeit der „ejm“ nimmt die Evangelische Kirche in Marburg über die direkten kirchlichen und kirchengemeindlichen Interessen hinaus (Jugendgottesdienste, Konfi@…-Veranstaltungen, Mitarbeiterschulung, Förderung einer Identität einer „Evangelischen Jugend“ …) ihren christlichen Auftrag war, Kinder und Jugendliche mit ihren Bedarfen und Bedürfnissen wertschätzend wahrzunehmen, und darauf ausgerichtet Bildungs- und Freizeitangebote für sie zu entwickeln.

Diese „offene Arbeit der ejm“ versteht sich als Teilbereich der professionellen sozialen Arbeit in Marburg. Dabei zeigt sie sich mit ihren Formaten der Ansprache, der Haltung ihrer Mitarbeitenden sowie sichtbaren Symbolen und Zeichen deutlich als handelnder Teil der Evangelischen Kirche. Damit werden Jugendliche von der Evangelischen Kirche auf ihrem Weg der Orientierung in der Gesellschaft und ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleitet, gefördert und unterstützt.

Die offene Jugendarbeit ist Teil der kirchlichen Jugendarbeit. Beide stehen in ständiger Verbindung miteinander, sind aufeinander bezogen und bereichern sich gegenseitig. Beispielsweise stehen die speziell auf musikalische und kreative Jugendkulturarbeit ausgerichteten Ressourcen und Angebote der offenen Arbeit auch für kirchlich und gemeindlich orientierte Interessen und Personen zur Verfügung und können diese bereichern (Theater und darstellendes Spiel, Gitarren- und Bandworkshops, Graffiti- und Filmprojekte…). Die offenen Angebote dagegen werden von der Grundfrage der ev. Kinder- und Jugendarbeit bewegt, wie sich dabei für die Zielgruppe erlebbar die „Botschaft Jesu Christi und seine Verkündigung der Menschenfreundlichkeit Gottes“ (s. Leitbild) ausdrückt.

Die konkreten Handlungsfelder orientieren sich an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen, den sozialräumlichen Bedingungen Marburgs sowie an den personellen und materiellen Bedingungen der Ev. Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Marburg.

7a. Musik, Theater, Kunst, Jugendkultur:

Jugendliche werden an ihrem Interesse, sich kulturell mit Musik, Theater und Kunst auszudrücken, angesprochen. Diese Jugendkultur(en) sind manchmal gesellschaftlich anstößig, laut, provozierend oder fremd. Gerade deshalb soll ihnen dafür Raum und Möglichkeiten des Ausdrucks gegeben werden, da dies eine wichtige Form der Auseinandersetzung mit ihrem Leben und ihrer Suche nach Orientierung, Rolle und Sinn darstellt. Dabei steht die Erfahrung der gemeinschaftlichen Tätigkeit (Gruppen, Bands…) im Vordergrund. Die Suche danach, wie dieser eigene jugendkulturelle Ausdruck auch in kirchlichen Zusammenhängen einen Platz finden kann (Jugendgottesdienste etc. spirituell motivierte Texte oder Bilder…) ist dabei eine besondere Herausforderung.

Zielgruppen: Jugendliche ab ca.13 Jahren

Ziele: – jugendgemäßer Entdeckungslust, Kreativität und Aneignung neuer Fähigkeiten Raum geben

– Auseinandersetzung mit Gott und der erlebten Welt individuelle Ausdrucksmöglichkeiten geben

Handlungsformen:

Proberäume, Bandworkshops, Gesang-, Gitarren- und Percussiongruppen, Konzerte, Musical, Graffiti, Theater …

7b. Haus der offenen Tür /Jugendcafé

Mit einem Jugendcafé soll ein niedrigschwelliger Ort für Kontaktaufnahme, Begegnung, Mitbestimmung und Beteiligung bestehen. Wichtig ist, dass er von Jugendlichen weitestgehend selbst gestalt- und verantwortbar ist. Sowohl kirchenfernen Jugendlichen soll es ein verlässlicher, geschützter, Halt und Beheimatung bietender Ort sein, als auch kirchlich geprägt und orientierten Jugendlichen, der Evangelischen Jugend Marburg (ejm) ein Treffpunkt und Identifikationsraum.

Zielgruppen: Jugendliche ab ca. 13 Jahren, unterschiedlicher kultureller, religiöser und sozialer Herkunft sowie Jugendliche der „ejm“ (Start Up-, JuLeiCa-, Konfi@-Teilnehmer- und Teamer*innen…)

Ziele: – niedrigschwelliger, geschützter und verlässlicher Ort für Freizeitgestaltung

– attraktiver Ort für Begegnung, Gespräch, Beratung, Gemeinschaft

– Möglichkeit für Gestaltungsfreiräume und Verantwortungsübernahme

Handlungsformen:

– von Jugendlichen (mit-)gestaltete Räume mit für Jugendliche interessanter Ausstattung (z.B. offenes WLAN, gemütliche moderne Sitzgelegenheiten, Spielgeräte, Computerspiele und Spielekonsolen…),

– in vorwiegender Verantwortung von Jugendlichen für Öffnungszeiten, Angebote
Dieser Ort hat in Bezug auf Bewegungsräumen und -formen Jugendlicher eine attraktive Lage (Busanbindung, Schulen, sonstige Freizeitorte…)

7c. Aufsuchende, mobile „ejm“ (Entwicklungsaufgabe)

Das Konzept der aufsuchenden, mobilen „ejm“ basiert auf dem Grundgedanken, auf Jugendliche zuzugehen, die auf Grund ihrer Milieuzugehörigkeit oder anderen Lebensbedingungen (z.B. adoleszente Suche nach Freiheit und Individualität) von Jugendhilfe und kirchlichen Institutionen schwer erreichbar sind. Evangelische Kinder- und Jugendarbeit will diese Jugendlichen an verschiedenen, von ihnen belebten Orten aufsuchen und sie in ihrer Lebenswirklichkeit hören und wahrnehmen. Gleichzeitig bietet sie sich mit Möglichkeiten der Orientierung, Beratung und Freizeitgestaltung an. Dabei zeigt sie sich bewusst und deutlich als Teil der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Zu diesem Zweck wird ein Fahrzeug (z.B. APE50) mit Spiel- und Aktionsmaterial (vorwiegend als Kontaktmedium) ausgestattet und als „ejm – AnsprechBAR“ erkennbar gestaltet.

Zielgruppen: Jugendliche ab 13 Jahren, die sich „frei und ungebunden“ an öffentlichen Orten und Plätzen aufhalten.

Ziel: – Kontakt zu Jugendlichen „auf der Straße“ suchen; erfahren, was sie bewegt, was für sie wichtig ist, was ihnen Orientierung und Sinn im Leben gibt.

  • Beratung und Unterstützung bei der Orientierung in der Gesellschaft, bei der Suche nach Anerkennung sowie bei der Entwicklung tragfähiger Werte und religiöser Identität

  • als Evangelische Kinder- und Jugendarbeit auch außerhalb der Institutionen und üblichen Maßnahmen erkennbar und erreichbar sein

Handlungsformen:

mit Spielgeräten und Material (Kontakt ermöglichend) ausgestattetes Fahrzeug, das regelmäßig (2-3 mal je Woche) mit 1-2 Mitarbeiter*innen jugendrelevante Orte und Plätze anfährt sowie zu Zwecken der Öffentlichkeitsarbeit für Veranstaltungen genutzt wird.

8. Schulbezogene Kinder-und Jugendarbeit

Mit der schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit gestaltet die „ejm“ den Kontakt zu Jugendlichen in ihrem größten und größer werdenden Lebensalltag. Im Rahmen von Ganztagsschulentwicklung bringt sie sich mit den ihr eigenen Inhalten und Formen der außerschulischen Jugendarbeit ergänzend und unterstützend in schulischen Kontexten und Kooperationsformen ein. In Verbindung mit Leistungsverträgen mit der Stadt Marburg übernimmt sie Betreuungsaufgaben für Schüler*innen der Grundschule Marbach.

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler der Grundschule Marbach sowie Jugendliche ab 10 Jahren an weiterführenden Schulen

Ziel: – die Lern- und Bildungsformen an Schulen durch außerschulische Möglichkeiten der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit ergänzen

– Kompetenzen zur Übernahme von Verantwortung (z.B. als Gruppenleiter*innen ) fördern,

– Stärkung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins sowie der Orientierung in spirituellen und gesellschaftlichen Fragen unterstützen

– Stärkung der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen durch das Erleben von Gemeinschaft und Partizipation

– Förderung von Selbstständigkeit und Selbstorganisation

– Teamfähigkeit stärken

Handlungsformen:

– regelmäßige Angebote im Rahmen des Ganztagsschul-Angebotes vorwiegend an außerschulischen Lernorten (z.B. Kinder- und Jugendhaus „Connex“ und Jugendhaus „compass“)

– Projektveranstaltungen (z.B. Berufsorientierungsmaßnahmen, Tage der Orientierung)

9. Verwaltung

Auf der Organisationsebene ist eine gute Verwaltung nötig, zur Zuschussbeantragung, Erstellung des Jahresprogramms, zentraler Teilnehmer*innen-Verwaltung, Abrechnung von Maßnahmen, etc. Ein regelmäßig besetztes Sekretariat mit Material- und Kleinbusverleih sowie einer Mitarbeiterbibliothek versteht sich gleichermaßen als zuverlässige Kontakt- und Servicestelle für Ehren- und Hauptamtliche der Gemeinden sowie aller Öffentlichkeit. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Faktor für eine gute Öffentlichkeitsarbeit, mit der die praktische Arbeit unterstützt und auf unterschiedlichen Ebenen (Presse, IT- und Print-Medien etc.) sichtbar und transparent wird.

III. Gebäudebedarf

Unter dem Stichwort „Regionale Zuständigkeit – Zentrale Verortung“ braucht es für die gemeinsame Arbeit in Stadt und Land einen Mittelpunktort. Dort wird die Arbeit nicht zentralisiert, wohl aber organisiert und konzentriert.

Es wird ein Ort benötigt, an dem es gemäß dieses Konzeptes vielfältige Angebote und Aktivitäten, Möglichkeiten und räumliche Bedingungen gibt, die diesen zum „organisatorischen und geistlichen Mittelpunkt“, ähnlich einer Jugend(kultur)kirche macht.

Jugendliche entdecken, entwickeln und stärken dort ihre individuelle kulturelle Orientierung und ihre Fähigkeiten (s. 7.1), sie erleben und gestalten jugendgemäße Gemeinschaft (s. 7.2), sie erleben Orientierung, Schulung und Stärkung in spirituellen, methodischen und pädagogischen Fragen, für ihre Mitwirkung bei überregionalen Events und in den Gemeinden (s. 1), sie erfahren Beratung, Seelsorge und Wertschätzung, fühlen sich dort aufgehoben und eingeladen zur Mitgestaltung ihrer Kirche, sie erproben und entwickeln eigene Formen von Gottesdiensten, christlicher Gemeinschaft und christlichen Werten. Es ist ein Ort der Vernetzung, aller an der ev. Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis Marburg Mitwirkender, Jugendlicher, Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher, sowie vieler Kooperationspartner und mit Kinder- und Jugendarbeit befasster Personen und Institutionen über die Grenzen der ev. Kirche hinaus.

Ein solcher Ort muss zentral im Kirchkreis und in der Stadt Marburg gelegen sein, damit das Kommen und Gehen der Menschen, und speziell der Jugendlichen, zu einem „offenen, niederschwelligen Jugendbereich“ möglichst gut erreichbar ist. Er muss im Zuge inklusiver gesellschaftlicher Entwicklungen und gewünschter Zugangsmöglichkeiten für ALLE Kinder- und Jugendlichen möglichst barrierefrei sein. Er sollte Raum und Platz für öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen bieten für Fachkonferenzen und Jugendevents (z.B. Jugendgottesdienste) und muss kleinere Räume für Schulungen, Workshops und Gruppenaktivitäten bieten.

Als zentraler gemeinsamer Ausgangsort von allen hauptamtlich in der ev. Kinder- und Jugendarbeit Mitarbeitenden braucht er ein gemeinsames Verwaltungszentrum/ Sekretariat und entsprechende Büroräume, mit kurzen Wegen des Austauschs und der Verständigung, die mit den heute notwendigen und auf die Zukunft ausgerichteten modernen Kommunikationsmitteln ausgestattet sind, sowie Material-, Besprechungs- und Konferenzräume.

Dieses Konzept beinhaltet aber auch die Vision eines Kirchengebäudes als geistlichem Mittelpunkt mit einem sakralen Raum, der von Jugendlichen angeeignet und als Jugendkulturkirche gestaltet werden könnte. Eine solche Jugendkirche für den Kirchenkreis wäre der systematische Versuch, neue Wege der Vermittlung zwischen „Jugendkultur“ und „Kirchenkultur“ zu erproben und zu realisieren.